Archive for the ‘Sachbuch’ Category

“Persönlichkeiten statt Tyrannen” von Michael Winterhoff und Isabel Thielen

Freitag, Juli 23rd, 2010

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Dieses Buch hat mich  - als Mutter dreier junger Heranwachsender in Erstaunen versetzt. Man wird angehalten über sein eigenes Verhalten gegenüber Heranwachsenden nachzudenken, muss sich vielleicht eingestehen, selbst auch Fehler gemacht zu haben.Das Buch ermutigt aber nicht aufzugeben, noch einmal Verantwortung zu tragen, noch ist nichts verloren. Eltern in Krisenzeiten brauchen trotz ihrer Schuldgefühle den Mut weiter zu machen und ihre ” Kinder” nicht aufzugeben.
Gerade der Berufseinstieg ist einer der wichtigsten Lebensabschnitte im Leben eines jungen Menschens.
Auswirkungen von Entwicklungsstörungen werden in diesem Zeitpunkt deutlich sichtbar und es ist der letzte, in denen sie noch behandelbar sind.
Der grad der Ausbildungsreife nimmt immer mehr ab. In Zukunft wird auf unsere Gesellschaft ein noch größeres Problem dazu kommen. Jegliche Sozialkompetenz wird fehlen, alles wird für sich selbst eingefordert. Der Spaßfaktor ist das Wichtigste.
Dazu kommt noch die Krise des Ausbildungsmarktes.
Mit analytischen Erkenntnissen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis in Verbindung mit Beobachtungen und Rückschlüssen aus der täglichen Arbeit  ist ein diskussionsfreudiges Buch für alle Chefs, Ausbilder und Eltern entstanden.

Winterhoff, Michael und Thielen, Isabel:
Persönlichkeiten statt Tyrannen oder: wie junge Menschen in Leben und Beruf ankommen
Gütersloh: Gütersloher Verl.-Haus, 2010
189 S.

vorgestellt von Christine Wilms

“Zu Fuß” von Dirk Schümer

Freitag, Juli 2nd, 2010

Zu Fuß

Eigentlich wollte ich mich anläßlich der WM ein bißchen weiterbilden und griff, um einigermaßen qualifiziert über Fußball mitreden zu können, zu Dirk Schümers Buch “Gott ist rund” - aber dabei stellte ich fest, daß dieser Autor jetzt auch ein Buch über das Wandern geschrieben hat. Und das Thema interessiert mich doch mehr, wenn ich selber auch nicht wirklich wandere, sondern eher spazierengehe, das aber bei jedem Wetter (auch ohne Regenmäntelchen).

Dirk Schümer nimmt uns mit auf eine “virtuelle Fußreise durch Wind und Wetter diverser Wanderlandschaften”, er kann von eigenen Wandererfahrungen in ganz Europa berichten. Auch in der Kulturgeschichte kennt er sich bestens aus: Angefangen von der Frühzeit des Menschen und dem Beginn des aufrechten Gangs beschreibt er, wie der Mensch auf zwei Füßen die Welt eroberte - Völkerwanderung, Romantik und Wandervogelbewegung, die “Postbotenstudie” der 60-er Jahre und vieles mehr lassen uns die heutige Lust am Wandern einmal ganz neu betrachten, und wir werden daran erinnert, daß wir bei jedem Fußweg auch in der Geschichte unterwegs sind und nicht nur etwas für die Gesundheit tun.

Nur mit seinem Plädoyer für “Nordic walking” bin ich gar nicht einverstanden: diese Stöcke machen ein wirklich häßliches Geräusch, das nur noch von Kickboards und Inlinern (denen man auf Wanderwegen glücklicherweise selten begegnet) übertroffen wird. Sie nützen bestimmt nichts gegen entgegenkommende Hunde, und das Argument, man könnte mit ihnen Brennesseln (diese harmlosen und sehr interessanten Pflanzen) aus dem Weg räumen, kann mich auch nicht überzeugen. Aber immerhin habe ich jetzt gelernt, daß der finnische Name für diese Fortbewegungsart “Sauvakäveli” heißt - das gefällt mir schon besser.

Die Soester dürfen sich besonders freuen über dieses elegante Buch des in Soest geborenen Feuilletonredakteurs der FAZ, der natürlich auch seine Heimat durchwandert hat:
“Ich selber hatte das Glück, in einem von der Moderne fast vergessenen Städtchen groß zu werden, in dem weise Stadtväter den mittelalterlichen Mauerring in eine Rundwanderstrecke verwandelten. Unzählbare Male bin ich um die Wälle von Soest herumgestiefelt; ich empfinde sie heute noch als einen der beglückendsten Wanderwege, den ich je gegangen bin: Man schaut von der Höhe über Gassen, Dächer und Kirchtürme der Stadt, hört die Vögel in den Hunderten von Bäumen zwitschern, nimmt mit sprießendem Grün und fallendem Laub an den Jahreszeiten anteil - und ist doch nicht wie andernorts in einen Park gezwängt, sondern schreitet symbolisch die eigene Lebenswelt rundum ab als Grenzwächter des eigenen Gemeinwesens.” (S. 195 f.)

Also machen wir uns auf den Weg -

meint Dascha

Schümer, Dirk:
Zu Fuß : eine kurze Geschichte des Wanderns
München: Malik, 2010
206 S.