
Cass ist eine junge Frau, die mitten im Leben steht. Sie studiert Schauspiel und liebt ihr Leben. Als sie sich bei einem Besuch bei ihren Eltern mit ihrer Mutter streitet, setzt sie sich in ihr Auto und fährt völlig aufgebracht zu ihrer besten Freundin. Auf dem Weg ruft ihre Mutter sie an und möchte sich mit ihr aussprechen. Cass, die eh schon viel zu schnell fährt, übersieht einen Bus und baut einen folgenschweren Unfall. Ihre Mutter gibt sich die Schuld…
Als Cass im Krankenhaus erwacht, muss sie damit zurechtkommen, dass sie querschnittsgelähmt ist und nie wieder laufen wird oder auf ihrem geliebten Pflegepferd Dragon ausreiten kann. Diese Monate in der Klinik sind eine schwere Zeit, in der sie lernen muss, sich mit ihrem “neuen Leben” anzufreunden. Doch gleichtzeitig trifft sie dort auf zwei junge Männer, die ähnliches durchmachen - jeder auf seine eigene Art. Guy, Dom und sie werden beste Freunde.
Cass findet, nach vielen Rückschlägen, erst wieder Lebensmut und Lebensfreude, als sie ihren Helferhund Ticket bekommt. Denn ab da nimmt sie ihr Leben wieder selber in die Hand und erobert sich ihre Unabhängigkeit Stück für Stück zurück.
Einfühlsam und doch erschreckend ehrlich werden alle Ausmaße der Querschnittslähmung erzählt. Nicht nur was die Betroffenen physisch, sondern vorallem psysisch durchmachen müssen ohne aus ihrer Situation entfliehen zu können. Wenn man an eine Querschnittslähmung denkt, fällt einem meist ein, dass man im Rollstuhl sitzen muss. Aber es gibt auch noch andere Probleme, denen sich die Menschen ab da stellen müssen. Die Kontrolle über den eigenen Körper, Thema Partnerschaft und einfach auch nur alltägliche Dinge wie ein Einkauf…
Dieses Buch führt “gesunden” Menschen vor Augen, was eine Behinderung bedeutet. Aber ohne, dass man das Gefühl hat, man müsse mit den querschnittsgelähmten Menschen Mitleid haben. Denn gerade das ist es, was sie am wenigsten wollen. Man sollte sie nicht als behindert sehen, sondern einfach als Mitmenschen. Dazu zählt aber auch die Courage, ihnen zu helfen, wenn sie in einer Situation stecken, bei der sie alleine nicht weiterkommen. Da reicht es schon, dass man zum Beispiel seine Hilfe anbietet, den Rollstuhl in den Bus zu heben. Bekommt man dann ein “Nein” zu hören, sollte man es nicht als Ablehnung verstehen, sondern sich freuen, dass dieser Mensch trotz seiner Umstände so selbtständig sein kann und möchte.
Cass hat es auf jeden Fall geschafft, sich nicht unterkriegen zu lassen. Das Buch hält einige Überraschungen bereit und zeigt, dass jeder auf seine Art mit seinem Schicksal umgeht. Es lohnt sich wirklich, “Engelspfade” zu lesen. Vielleicht macht es sogar Menschen, die im Rollstuhl sitzen, Mut ihr Leben wieder als lebenswert zu betrachten.
Empfohlen von Susanne
Peterson, Alice : Engelspfade
Bergisch Gladbach : Lübbe, 2009
ISBN 978-3-7857-6002-4