DVD “Báthory”
Schon lange war ich gespannt auf den Film “Báthory” über die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory, die im Jahr 1611 als Hexe und Mörderin von angeblich über 600 jungen Mädchen verurteilt wurde. Um sich ihre Schönheit zu bewahren, soll sie im Blut der Mädchen gebadet haben. In den Jahrhunderten danach hat ihr Schicksal die Menschen immer wieder fasziniert, und sie ist als grausames Vorbild für Vampirgeschichten legendär.
Als ich die DVD endlich in der Hand hatte, fürchtete ich mich allerdings erst einmal zwei Tage lang davor, diesen “Schreckensfilm” anzusehen …
“Báthory” ist ein mit großem Aufwand produzierter tschechisch-slowakisch-ungarischer Film, der die Gräfin weder verurteilt noch entschuldigt. Es ist tatsächlich möglich, Sympathien für diese Frau zu empfinden - “Ich wurde in der falschen Zeit geboren. - Ich bin nicht so stark, wie ich dachte. - Rette meine Seele …” sind ihre letzten Worte.
Der Film des slowakischen Regisseurs Juraj Jakubisko zeigt uns das Leben während der Türkenkriege in opulenten Bildern und Farben - kein Zufall, daß Elisabeth von ihrem Mann einen Maler (Caravaggio - das ist Fantasie …) als Kriegsbeute geschenkt bekommt: z.B. steht Rosenblau für die Liebe und die Berge der Hohen Tatra, Katzenaugengrün für Pilze, Träume, Visionen und Hexerei, Weiß für das Licht und den Schnee, Schwarz für die Schatten und Blutrot kommt natürlich immer wieder vor, oft als kleiner Akzent wie z.B. die roten Handschuhe des Grafen Thurzo, Elisabeths Gegenspieler. Zu den eindrucksvollsten Szenen gehörten für mich das Bild des totgeborenen Kinds Andras, das sich Elisabeth von dem Maler malen läßt und das sich aufbäumende schwarze Pferd beim Tod Franz Nádasdys.
Großartige Landschaftsaufnahmen in der Slowakei zu drehen, ist wahrscheinlich leicht - ich war jedenfalls sehr erfreut, daß ich einige Drehorte wiedererkannt habe, z.B. das Museumsdorf Múzeum liptovskej dediny in der Nähe von Pribylina und das tschechische Velké Losiný. Nur: Bei dem enormen Budget von 10 Millionen € wäre doch vielleicht eine angemessene Übersetzung ins Deutsche möglich gewesen : Um 1600 weint eine Frau nicht “Mein Baby!” und ein kleiner Junge ruft nicht “Klasse!” - solche winzigen Hinweise, daß dies vielleicht doch kein historischer Film ist, sind im Original mit tschechischem Sprachwitz wahrscheinlich viel besser ausgedrückt.
Zum Schluß: Das Musikvideo Muoj Bože mit Katarina Knechtova habe ich mir schon mehrmals angesehen!
Báthory : die Blutgräfin
Ismaning: EuroVideo, 2010
1 DVD (134 Min.)
Regie: Juraj Jakubisko
Mit Anna Friel, Hans Matheson, Karl Roden u. a.
FSK: ab 16
Zum Weiterlesen:
Farim, Michael (Hg.):
Heroine des Grauens : Wirken und Leben der Elisabeth Báthory in Briefen, Zeugenaussagen und Phantasiespielen
München: Kirchheim, 1989
389 S.
Vorgestellt von Diwien
Juli 30th, 2010 at 19:09
Ich finde auch: Es ist ein wirklich vielseitiger Film: schaurig-schön (jede Menge Raben, Ratten, Kellergewölbe und der Tod zu Pferd), es gibt auch noch witzige Figuren wie den Mönch Peter und seinen Novizen (die der Sache auf die Spur kommen wollen und den Zuschauer mit Erfindungen der Neuzeit wie Rollschuhe, Kamera, Plattenspieler und Gleitschirmfliegen belustigen). Seh ich mir auch noch einmal an!